Das Paradoxon des Bogenschießens

Stelle ich mir Pfeil und Bogen vor, dann ist es der Bogen,
der mir Halt und Sicherheit gibt. Ich schmiege mich an ihn,
bin ganz nahe, spüre seine Vibration, seine Spannung,
sein Versprechen, mich zu halten. Lehne mich an ihn,
seine Kraft umschmeichelt mich. Fühle seine Energie,
kurz bevor er mich loslässt, bis an die Grenze pulsierend.
Sein Zögern dann, dieser Moment zwischen den Zeiten,
dieser Stillstand, diese ruhige Sicherheit in ihm,
dass ich nur seinen mir zugestandenen Flug wagen werde.
Bin ihm ganz, ganz nahe, und dann nehme ich ihn in mich hinein.

Mein Weg, sein Ziel. Mein Zittern, sein Beben.
Der Sinn seiner Existenz reduziert auf die Schönheit
meines Fluges. Ganz bei mir und ganz weit weg
von ihm und doch so nah, weil es ihn und mich,
in diesem Moment, in dieser Form, nur geben kann,
weil er und ich nur sind, was wir sind, gemeinsam.

Seine Qual lässt meinen Schmerz ein wenig schweigen.
Diese Stille in mir, wird später der Balsam sein für seine Wunden.

Kontrolle

Du hauchst ein Ja mit bittersüßen Augen
und atmest Nein auf Nein
stabiles Mauerwerk errichtend

Du modellierst jede Anweisung
zu einem bezogenen Ich
Gefälligkeiten verschenkend

Du kniest ein wenig zu steif
empört, wenn eine Hand
deinen Nacken tiefer beugt

Du drehst und wendest jedes Wort
mit gefälligem Lächeln
so dass es deins und das letzte

Kritisches Wort bringt dich
zum Weinen über Ungerechtigkeiten
den Ausgang schon im Blick

Du träumst wohlig von schmerzenden Spuren
in grellen und schönen Farben
den Weg dorthin ausgeblendet

Spinnst Außenfäden fest in deiner Hand
übersehend das Geflecht
das dich in dir dadurch bannt


Du gibst dich hin und vieles ab
behältst dich doch in Ganz bei dir
ganz dünner Boden, kein webendes Wir