BDSM

Weil ich immer mal wieder danach gefragt werde:

Vor vielen Jahren entdeckte ich eine für mich neue Welt: Die virtuelle Welt. Da Sprache mein Medium ist und Bilder im Kopf mein Zugang zur Welt, war dies wie eine Reise in ein neues, wunderbares Universum. 
Ich habe diese Welt naiv, neugierig und atemlos erkundet und exzessiv in Sprache und Bildern gebadet. Und ich habe dort unter anderem auch eine Subwelt, eine Nische gefunden, die manchen alten und neuen inneren Bildern in mir befreiende Worte und neue Rahmen gegeben hat. Die sogenannte BDSM-Szene, unter anderem auch die SZ. 
Das war prima und sehr aufregend erregend. Ich war hungrig und ich aß mich satt an all den Diskursen, Gesprächen, dem schriftlichen und realen Austauschen. Bilder in Sprache fassen, theoretische Konstrukte bis zum Grunde durchdenken und die dazugehörigen Worte ins reale Leben herüber holen und dort zu schmecken, zu prüfen, zu verwerfen, in den eigenen Lebensentwurf real hinein zu nehmen und die neuen Bilder wieder in Sprache in die virtuelle Welt zurück fließen lassen. Schnell, atemlos, experimentierend, zwischen beiden Welten hin und her rasend. Laborratte und Forscherin in einer Person. Jesses, war das geil. 
Und natürlich war abzusehen, dass dies alles irgendwann ein Ende in dieser Form und Schwerpunktsetzung haben würde.
Mittlerweile hat die virtuelle Welt diesen Zauber für mich verloren. Das Internet ist für mich zu einem Informations- und Kommunikationsmedium unter vielen anderen geworden. Nicht mehr wegzudenken, aber auch nicht mehr so zentral. Ein tolles Hilfsmittel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

Und auch die Nische des BDSM ist als solche keine befruchtende mehr für mich. Das, was mir vor Jahren noch als neu und aufregend erschien, hat sich mittlerweile mit meinen Lebenserfahrungen, meiner Geschichte, meiner Persönlichkeit vermischt. Der Hauch des „Besonderen“ hat sich verflüchtigt. Vieles, was mir in der Sprache und in den Gedankenwelten  des BDSM als Neuland erschien, stellte sich mittlerweile als Altbekanntes heraus. Das meiste, als exklusiv vermutete, reale und virtuelle SM-Gedöns entpuppte sich im konkret realen Leben als die bekannten (zwischen)menschlichen Fragen und Stolpersteine und die Antworten finden sich für mich eher in anderen Bereichen des menschlichen Lebens denn in den Nische des virtuellen und realen BDSM.

So bleibt SM für mich ein Teil meiner Persönlichkeit, der allerdings mittlerweile integriert ist in viele andere, grundlegendere Bereiche meiner Person und meines Lebens. Eine Option, eine Möglichkeit, eine Bereicherung unter vielen anderen halt. Der Zauber der Exklusivität ist verschwunden und damit auch deren Begrenzung und Einmauerung. Eine für mich subjektiv wunderbare und freudig begrüßte Entwicklung.

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