Hardcore-Session

Es würde hart werden diesmal. Sie hatte es ihr schon vor Tagen beiläufig angekündigt. Freundlich lächelnd warf Sie Sätze wie „Manchmal muss man sich ins Niemandsland begeben, damit die eigentlichen Grenzen sichtbarer werden.“ oder „Nach dem Wochenende werden wir beide gemeinsam ganz neue Türen zum Öffnen vorfinden“ in den Raum.

Boah, und dann ließ Sie sie einfach so stehen. Mehr war nicht aus ihr rauszuholen, da half kein Bitten und Betteln. Na ja, Sessionvorbereitung halt. Sie wusste, dass Sie diese Phase sehr genoss, dieses Ankicken; und dieses Wissen wiederum ließ sie sich ganz zittrig wohlig fühlen.

Die Tage rasten und schneckten dahin und nun lag sie mit verbundenen Augen angebunden auf der großen Liege, die sie am Abend vorher gemeinsam mitten in den Raum geschoben hatten.

Es war still um sie herum, die Ohrstöpsel dämpften jedes Geräusch. Wo blieb Sie bloß, welche Schmerzen und Qualen hatte Sie sich wohl in Ihrem süßen Köpfchen ausgedacht? An noch nicht umgesetzten Phantasien mangelte es ihnen ja nun nicht gerade. Da kreiste so manches schrecklich Schöne in ihrer beiden Sehnsuchtskiste. Die langen Nadeln vielleicht, oder die neue Peitsche mit den eingeflochtenen Scherben, oder gar das Branding?

Warum fing Sie nicht endlich an. Die Eingangsphase war so lang diesmal. Das Ritual des Aufwärmens, Annäherns ging sonst immer viel rascher vor sich. Die kleinen Gemeinheiten, der Rohrstock, das Öffnen von Kopf und Körper... worauf wartet Sie bloß?

Plötzlich spürte sie eine Hand an ihrer Wange. Langsam bewegte diese sich kreisend streichelnd immer tiefer, verharrte wie ein Hauch in der Halskuhle. Eine zweite Hand begann in rundigen Zügen ihre Fußsohle zu massieren.

„Ähm, hallo, was macht Sie da?! Was soll denn der Scheiß?“ Unruhig warf sie sich hin und her.

Dann eine dritte, vierte, fünfte Hand. Fingerspitzen, die zärtlich ihren Körper berührten. Lippen, die schmeichelnd an ihren Ohrläppchen knapperten, Zungenküsse auf ihren Augenlidern. Flüsternde, beruhigende Stimmen, deren Worte sie als Worte nicht richtig wahrnehmen konnte, nur den weichen Klang und den sanften Rhythmus. Jede Berührung intensivierte sich, überall, überall. Zärtlichkeit, Zärtlichkeit... Nähe, Nähe, Nähe...

Nein, nein, nein... das kann sie nicht aushalten! Das geht nicht! Das kann Sie ihr nicht antun!

Sie warf sich in die Fesseln, bäumte sich auf. Schrie, rotzte, tobte, kämpfte...

Die Berührungen, die leisen Stimmen blieben im sanften Gleichklang, ließen sich nicht irritieren.

Es würde hart werden diesmal. Sehr hart.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen