Der große und der kleine Hunger

Er sagte: »Du kommst ohne Slip, mit Halterlosen unterm Mantel. Hohe Schuhe. Sonst nix!«
Sie sagte sich: »Vertrauen muss man vorschießen, und Suche verlangt halt manchmal ein Entblößen in den freien Raum hinein. Also gut, lassen wir es drauf ankommen!«
Und sagte ihm: »Ja Herr, ganz, wie Sie es wünschen.«
Treffpunkt Café. Von ihr gewählt, weil sie sich dort heimisch fühlt.
Er sitzt schon am Tisch. Sie hält kurz inne, denkt an den »Vorschuss«, durchquert dann zügig den Raum und kniet vor ihm nieder. Die Blicke der Anwesenden spürt sie nur anhand des Zusammenzuckens und dem kleinwenigen Schrumpfen seinerseits im Stuhl. Immerhin streckt er ihr die Hand entgegen. Zaghaft. Aber, immerhin.
Beim Aufstehen tritt er hinter sie und will ihr aus dem Mantel helfen. Ihr kurzes Zögern bemerkt er gar nicht, und ihr huscht nur wieder der »Vorschuss« durch den Kopf, und so senkt sie ergeben den Blick und nimmt willig die Schultern zurück.
Als ihre Titten schon frei im Raume schwingen, hört sie von hinten einen erschreckenden Japser: »Oh, du bist ja wirklich nackt?! Scheiße!«
Ihr Körper wird mit einem Ruck wieder in die Stoffbahnen geschoben, und er tastet etwas unkoordiniert an den Knöpfen herum.
Der Vorschussgedanke blinzelt nochmals etwas verschämt um die Ecke und verpufft dann in einem zierlichen Rauchwölkchen. Einem rosaroten wohl. Immerhin bringt sie dieses Bild kurz zum Kichern.
Sie ordnet rasch den Mantel und die inneren Koordinaten neu und schiebt sich einen Stuhl zu recht.
»Setz dich!« Sie zeigt auf den Stuhl. »Und lass das mit dem Beine übereinander schlagen und dem Rumgezappel. Ich mag das nicht.«
Sie winkt der Kellnerin und bestellt sich einen Kaffee und für ihn ein Mineralwasser.
»Du kannst mich ruhig anschauen. Ich beiße nicht. Nicht, wenn ich es nicht will. Du bist also Dom? Okay, dann möchtest du sicher einiges über mich wissen, meine Erfahrungen, meine Tabus?«
»Ähm, ja, ähm, klar … gerne … ja … ähm …«
»Halt deine Finger still, wenn du mit mir sprichst! Genau so, Hände flach auf den Tisch, und da bleiben sie. Gut!«
Sie beugt sich ein wenig nach vorne, so dass mehr als der Ansatz ihrer Brüste ihm entgegen springen, und fängt an, zu erzählen. Im leichten Plauderton so einen Rundumschlag über SM aus ihrer Sicht. Lässt genüsslich kichernd ein paar Beispiele einfließen, so von wegen Schlagsession, Nadeleien, Blutspiele und Langzeitbondage. Als sie das Gefühl hat, dass es ihm gleich mehr als kotzübel wird, trinkt sie ihren Kaffee aus, steht auf, reicht ihm ihre Hand:
»Du darfst die Rechnung bezahlen und mir die Hand zum Abschied küssen.«
Etwas konfus wirkend will er die Hand nehmen.
»Hallo, machst du das vielleicht in der richtigen Position?!«
Als sie sich an der Tür noch einmal umdreht, kniet er noch immer neben dem Tisch und neben sich. Sie holt tief Luft. Na gut, dann eben ab ins Fitnessstudio. Den großen Hunger wird sie heute wieder nicht stillen können, und für den kleinen gibt es halt den Crosstrainer.

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