Ankommen

Schmerzen. Die Inszenierung des Schmerzes. Immer wieder gehen ihr diese Begriffe durch den Kopf. Unaufhörlich. Die gesamte Bahnfahrt über. Ohne rechten Zusammenhang: die kunstvolle Inszenierung des Schmerzes. Dies erwartet sie. Danach sehnt sie sich. Davor läuft sie zitternd davon. Dorthin fährt sie jetzt.

Sie steht in der großen Halle des Bahnhofs. Wartet auf seine Nachricht. Nie weiß sie, wo genau sie hinkommen soll. Kennt den Ort ihres Treffens nie vorher. Wenn sie das Besondere ihrer Beziehung beschreiben sollte, dann ist es dieser Moment, wenn sie aus dem Zug aussteigt und Er nicht da ist.

Ein Freund, ein Geliebter würde auf dem Bahnsteig stehen, sie in den Arm nehmen, begrüßen. Vielleicht Blumen. Vielleicht Freude und Begierde in Gesicht und Körperhaltung ausdrücken.
Niemals Er! Niemals bisher, nicht heute, niemals in Zukunft.

Sie steht in der großen Halle. Die Menschen strömen an ihr vorbei. Minuten der Konzentration, des Sich-Sammelns. Sie richtet sich auf, ihr Körper spannt sich, wird gerade. Sie fühlt wie Stärke und Stolz sich in ihr aufbauen. Sie schaut den vorbei Eilenden in die Gesichter: verkniffene, gehetzte, mürrische Masken der Geschäftigkeit. Sie lächelt und weis um die Besonderheit ihres Seins. Ruhe breitet sich in ihr aus. Die Gier und die Begehrlichkeiten der letzten Wochen verflüchtigen sich, fallen wie Tücher, Schicht um Schicht.

Sie ist bereit für den nächsten Schritt.

Aus dem Taxi steigend, bleibt sie für einige Sekunden vor der Hoteltür stehen. Die letzte Schwelle. Danach gibt es kein Zurück mehr. Die nächsten Stunden wird sie jegliche Kontrolle über ihr gesamtes Wesen und ihr Sein abgeben. Vollständig. Es nicht aufhalten können. Einen kurzen Moment zögert sie. Drängt die Panik zurück. Öffnet die Tür.

Er sitzt im Sessel. Schaut sie nicht an. Sie stellt ihre Taschen ab. Beginnt sich zu entkleiden. Langsam. Unsicher. Noch immer rechnet sie in diesem Moment mit einem hämischen Kommentar von ihm. Ein vernichtendes: "Was tust du da?"

Am Anfang hat sie immer auf seinen Befehl zum Ausziehen gewartet. Aber bei dem letzten Treffen hatte sie das Gefühl, dass Er dies einfach von ihr erwartet. Trotzdem bleibt ein letzter Rest der Ungewissheit. Eingefahrenes Muster aus alten, weit entfernten Erfahrungen.

Nackt steht sie vor Ihm, wartend auf eine Geste der Bestätigung, der Anerkennung.

"Drei!"

Sie dreht sich um, beugt den Körpeer nach vorne und zieht mit beiden Händen ihre Backen auseinander. Seine Finger gleiten zwischen ihre Beine und dringen in beide Öffnungen ein. Zu schnell! Widerstand macht sich in ihr breit. Sie zuckt nach vorne. Seine Hände klatschen auf ihr Fleisch. Sie hasst es, wenn Er sie so schlägt. Zu direkt, zu unmittelbar. Ihr Körper will sich aufrichten. Mit festem Griff umfasst er ihre Hüfte und dreht sie Richtung Bett, drückt mit einer Hand ihren Rücken tief nach unten, dringt von hinten in sie ein. Übergangslos, mit einem Stoß bis zum Anschlag. Sie schreit auf. Schmerz und Empörung rasen durch ihren Körper. Fest und schnell stößt Er zu. Wieder und wieder und wieder.

Ihre Abwehr, ihre Wut lösen sich in einem Nebel von Schmerz und Erregung auf. Kurz bevor sie sich ergibt, entzieht Er sich ihr:

"Dreh dich rum, Beine auseinander!"

Sie hält die Augen geschlossen. Spürt, wie Er an ihren kleinen Schamlippen zieht und dann den Biss der ersten Klammer. Sie jappst nach Luft. Noch eine und noch eine.

„Stell dich gerade hin. Geh ein Stück!“

Gewichte, die lang, viel zu lang, an ihren Beinen herab baumeln. Ihre Mitte ist ein einziger Herd des Schmerzes. Jede kleinste Bewegung, jedes Zucken von ihr bringen die Teile zum Schwingen.

Sie quietscht und hört sein leises Lachen. Dieses wahnsinnige, warme, selbstbewusste, genussvolle Lachen.

Und da ist es! Das fein ausgeworfene Netz schließt sich um sie. Eingefangen! Angekommen! Aller Schein, alle Abwehr, alle Rollen, alle wirren Gedanken verflüchtigen sich. All ihre Sinne ziehen sich an diesem Punkt und Ort in ihr zusammen, den Er für sie befreit und geschaffen. Kein Vergangenes. Kein Zukünftiges. Nur der Moment im Hier und Jetzt. Das letzte Tuch fällt und sie ist endlich ganz sie selbst.

Die Wölfin hebt den Kopf. Schaut Ihm tief in die Augen. Senkt den Blick. Streckt ihren Körper und geht mit leichten Schritten, trotz der Gewichte, trotz der Schmerzen gerade durchs Zimmer.

Sein Lachen umfängt sie und Seine Hand fährt Ihr hart und schnell zwischen die Beine. Der Tanz beginnt.

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