Achtung

Sie hing in den Seilen. Wie lange? Lange. Kein Zeitgefühl mehr. Schmerz. In Wellen, am Stück. Fließend, sprühend, zentriert.

Schreie, Stöhnen, Weinen. Vor einer Ewigkeit schon verstummt. Sie hatte eine Tür nach der anderen verschlossen. Auch die der Lust und die des Widerstandes. Sich kein Abdriften erlaubt diesmal.

Je härter Sein Tun, je lauter und quälender Sein stummes Schreien, umso tiefer das sie einhüllende Schweigen. Es war nicht mal mehr ein Kampf. Ihr Kopf war klar wie nie zuvor und ihre Haut eiskalt.

Mit jedem Schlag, mit jedem Schnitt, mit jedem Fetzen Haut, den Er von ihrem Körper riss, mit jedem Brocken Fleisch, den Er verschlang von ihr, kotzte sie Ihn wieder aus. Bröckchen für Bröckchen spie sie Ihn auf den Boden.

Und je dunkler und zähflüssiger das Blut zu ihren Füßen wurde, je heftiger Sein hilfloser Schmerz sie überrollte, umso deutlicher drangen die Worte zu Ihm durch, die sie ganz am Anfang, einer brennenden Fackel auf öligen Wogen gleich, in den Raum geworfen hatte: „Wenn Liebe Achtung ist und die Achtung schwindet, was wird dann aus der Liebe, mein Herr?“

Die Antwort, deren Frage er bisher in sich nicht mal vermutete, las er nun überdeutlich in Ihren sich mit einem glucksenden Lächeln füllenden Augen. Der letzte Schlag, mit aller Kraft und wissender Verzweiflung geführt, schleuderte Sie endgültig in sich selbst zurück und zerfetzte Ihn in tausend bröselige Stücke.

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