Halte dich.

Deine Hände zittern. Dein Mund murmelt Bläschen kauend zahnlos vor sich hin. Ab und an zuckt dein Bein, wie das eines kleinen Hündchens, im Schlaf. Dein Atem geht schwer und zögerlich. Deine Augen, vom Sandmann bestäubt, schauen blicklos zwischen den gefalteten Lidern hervor. Seit Stunden liege ich neben dir. Dein Anblick ermüdet mich nicht. Immer noch nicht. Nach all den Jahren, so vielen Jahren, kenne ich jede Regung, jeden Atemzug von dir. Bin ganz bei dir, ahne jede Zuckung, jedes Räuspern, jeden Aussetzer schon im Voraus. Atme mit dir. Du bist mir so nah. Hineinkriechen möchte ich in dich. Unsere Häute miteinander vernähen, dich ausfüllen mit mir, mich durchdrungen fühlen von dir. Streichelnd wandern meine Hände über deinen Körper, begrüßen jede Falte, jede Kuhle wie alte Freunde. Halten inne, erinnern sich gemeinsam. Ich halte dich. Du hältst mich. Auch wenn deine Arme keine Kraft mehr haben mich zu umschlingen, webst du wie immer einen sicheren Kokon um mich. Flüsternd ziehe ich dich mit mir in unsere Bilderwelt. Hauche Liebesworte, die unseren, sanft in dein Ohr. Singe dir unsere Träume, unser Leben, unsere Hoffnungen. Halte dich. Halte dich. Halte dich. Atme weiter für dich, wenn dein Atem nun schweigt. Lass dich gehen. Nehm dich mit.  

Wünsche

Wie wünsch ich mir, du würdest dich erinnern an all die ungeweinten Tränen, die du in dich hinein gefressen hast. Weil da niemand war, der sie gerne genommen und bei sich aufbewahrt hätte wie einen wertvollen Schatz.

Wie wünsch ich mir, du würdest dich erinnern an all die kleinen Wunder, die dich umgaben und über die du mit niemandem sprechen konntest. Weil da niemand war, der sie voll Staunen mit dir teilen wollte.

Wie wünsch ich mir, du würdest dich erinnern an den Hunger, der in dir brannte und den du dann doch immer nur mit Ungesundem besänftigen konntest. Weil da niemand war, an dem du dich satt essen durftest.

Wie wünsch ich mir, du würdest dich erinnern an den Geruch von fremder Haut und den Geschmack von zärtlicher Berührung, die dir doch nur beiläufig und unabsichtlich für einen kurzen Moment zu genießen erlaubt waren. Weil da keine Aufmerksamkeit und keine Liebe um dich waren.

Wie wünsch ich mir, du würdest dich erinnern an all das Schöne und Wunderbare, dass dir als Gabe mit auf den Weg gegeben wurde und das du verloren hast in all den Wirrungen deines Lebens. Weil da niemals jemand war, der dich eine Weile gebend begleitet hat.

Wie wünsch ich mir, dass du meine Hand nähmest, in der ich all deine ungeweinten Tränen auffangen würde.

Wie wünsch ich mir, dass wir unser Staunen über all die verrückten Dinge des Lebens teilten und unser gemeinsames Lachen neue Wunder gebären ließe.

Wie wünsch mir, dass du dich so an mir satt äßest, dass dein Hunger für eine Weile wirklich gestillt wäre.

Wie wünsch ich mir, dass der Geruch meiner Haut deine Sinne berauschen und meine Zärtlichkeiten dich liebevoll ertränken würden.

Wie wünsch ich mir, für eine kleine Weile an deiner Seite zu sein.

Tanzen


Sie sitzt jetzt schon eine halbe Stunde hier, hält sich an ihrem Glas fest und schaut nur zu. Vier, fünf Leute vorne auf der Tanzfläche. Langweilig, wenig inspirierend, die immer gleichen Bewegungen, egal, welcher Song gerade läuft. Nein, kein Funke bis jetzt. Sie will gehen. Heute ist nicht ihr Tag. Ihr Körper fühlt sich steif, angespannt, verspannt an. Niemand zuhause gerade in ihm. Sie drückt die Zigarette aus, beugt sich nach vorne. Ihr Fuß beginnt, von selbst zu wippen.
»Komm!«
Sie hat ihn schon ein paar Mal hier gesehen. Augenkontakt. Sein Lächeln, groß, Augen wie die Nacht. Er geht zur Tanzfläche. Leichte, ungebrochene Bewegungen. Seine Hände, offen, nach oben gedreht, seine Finger schnell flatternd:
»Komm!«
Sie steht auf, streckt sich. Geht langsam in seine Richtung. Steht ruhig vor ihm, schließt die Augen und lässt die Musik in sich eindringen.
Sachte beginnt ihr Körper zu schwingen. Ihre Hände gleiten leicht gespreizt, Abstand haltend, an ihren Beinen bis zur Hüfte entlang, zur Seite, nach hinten. Der Rhythmus wechselt.
Sie lacht: Der Typ oben macht es immer wieder. Egal, welches Programm angesagt ist, unweigerlich kommt dieser Song, sobald sie die Tanzfläche betritt.
Sie öffnet die Augen. Er ist ihr ganz nahe, umkreist sie. Wissend: Fasst er sie an, ist er raus aus dem Spiel! Passt sich ihren Bewegungen an. Ihre Blicke treffen sich, halten Kontakt.
Spannung, Funken. Sie gleiten um einander. Schneller, näher. Keine Berührung. Ihr Mund öffnet sich leicht. Sie schließt erneut die Augen. Spürt das Energiefeld, das sich zwischen ihnen aufbaut. Folgt nun seinen nur erahnten Bewegungen. Muss ihn nicht sehen. Ihr Kopf schaltet sich aus. Nur die Musik und seine Führung. Immer schneller, härter wird der Rhythmus. Sie spürt seinen Atem im Nacken, seine Erregung.
Keine Berührung. Langsam, ganz langsam fällt alle Anspannung von ihr ab. Ihr Körper erwacht, und der Tanz verändert sich. Jetzt bestimmt sie das Gleiten und umeinander Fließen, reizt, lockt, entzieht sich, kommt ganz nah.
Sie ist erhitzt, und die ersten Schweißperlen rinnen über ihren Rücken. Sie steht ganz still und öffnet die Augen. Er steht vor ihr, lächelt sie an, neigt den Kopf, ein leises »Dank dir!« und verschwindet. Ein wenig später sieht sie ihn mit einer jungen Frau tanzen, baggern. Ein Zwinkern von ihm und ein Lachen von ihr. Sie tanzt nun, ohne Pause. Für sich. Spürt ihren Körper: nass, atemlos, gelöst, ist tief in sich bewohnt. 

Entwürfe

Er kannte sie alle, die großen, reichen, schönen Damen der Glitzerwelt. Doch diese Frau da vor ihm war anders. Er hängte sich das Messband, mit dem er am Kleid der neuesten Kollektion herum gewerkelt und nachgemessen hatte, um den Hals und betrat den Verkaufsraum.
Mit einem leichten Schnippen seiner Finger wies er das Personal an, die Räumlichkeiten auf leisen Sohlen zu verlassen. Seine Mitarbeiterinnen waren perfekt erzogen.
»Madame!«, begrüßte er die junge Frau mit einem formvollendeten Handkuss, »ganz zu ihren Diensten.«
»Ich suche für einen ganz besonderen Anlass ein kleines Kleid. Unauffällig, einfach, mit klarem Schnitt.«
Lange schaute er sie an. Versenkte sich in die Form ihres Körpers, sein Blick streichelte die schwarze Flut ihrer Haare und tauchte hinab in das Tief ihrer seltsamen Augen, die ihn an die Farben des Meeresgrundes erinnerten.
»Ich habe etwas für sie, etwas ganz Besonderes!«
Er verschwand für einige Minuten in einem angrenzenden Raum und kam mit einem Kleid aus weichem Stoff zurück. In der hellen Farbe des aufgehenden Mondes.
Sanft, ganz sanft half er ihr beim Ausziehen und dem Überstreifen. Sie sah wunderschön aus.
»Wie teuer?«, fragte sie leise.
»Der Preis ist immer der gleiche und wird sofort bei Lieferung fällig.«
Ergeben nickte sie und folgte ihm in eine der abseits liegenden Umkleidekabinen, die besonders großzügig geschnitten war. Dort zog sie sich gänzlich aus, und er band ihre Hände nach oben mit dem Messband zusammen und befestigte dieses an einer Kette, die in der Mitte des Raumes von der Decke herabhing. Seine Hände glitten über ihren Körper, zart, streichelnd, und sie schloss die Augen.
Er tauchte seine Hände abwechselnd in die auf einem Tisch in der Ecke stehenden Gläser mit unterschiedlichen Konfitüren und Marmeladen und verteilte diese auf ihrem unbefleckten Körper. Keine Stelle ließ er aus. Wie ein Maler versank er in seinem Kunstwerk. Er bedeckte ihre Haut Schicht für Schicht mit all dem glibbrigen Zeugs.
Als er zufrieden war, setzte er sich auf den Stuhl und betrachtete sie eine lange Weile, griff dann zu einer kleinen Glocke auf dem Tisch, und auf das Zeichen hin erschienen drei seiner Mitarbeiterinnen, nun ebenfalls nackt. Sie begannen, sich der Frau mit ihren Lippen und Zungen zu nähern, und nach unendlich langer Zeit, war deren Körper gesäubert.
Während all dieser Zeit, schaute er nur hin und wieder dem Treiben zu. Fieberhaft zeichnete er einen Entwurf nach dem anderen. Dies war seine Art der Inspiration. Seine besondere Form der Lust, die ihn befähigte, einer der besten und einzigartigsten Modeschöpfer in diesem Jahrhundert zu sein.
Am Schluss reichte er dem nun einigermaßen sauberen und angezogenen Wesen vor ihm das inzwischen eingepackte Kleid, begleitete sie zur Tür und verabschiedete sich mit den Worten: 
»Ich komme etwas später zu dem Ball heute Abend, Liebes. Du musst nicht zuhause auf mich warten. Wir treffen uns dort.«

Dreier

Ich erzähl dir eine Geschichte, mein Freund. Meine Geschichte. Sie hat keinen Schluss. Darum erzähl ich sie dir.
Vor einigen Jahren lernte ich eine Frau kennen. Übers Internet. Ich hatte Sie schon eine Weile beobachtet, virtuell, aus der Ferne, nebenbei. Sowohl aufgrund Ihrer Schreiberei in den einschlägigen Foren als auch von Ihrer HP her vermutete, ahnte, ich, dass ich nicht so ganz Ihr Typ sein würde, und hielt mich fern von Ihr. Sie gefiel mir aber sehr. Ihre Arroganz und Überheblichkeit, Ihre sinnliche Ausstrahlung, Ihre eloquenten Angebereien, Ihre Großkotzigkeit und Ihre sprachlichen Albernheiten in den Chatrooms zogen mich immer wieder lesend in Ihre Nähe
Dann ergab es sich, per Zufall, dass wir ins Gespräch kamen, telefonisch. Und Sie gefiel mir noch besser. Ihre Stimme war bezaubernd im wahrsten Sinne des Wortes, Ihre Anweisungen zeugten von Erfahrung, und Ihr Rumgezicke amüsierte mich. Kurzum, ich verliebte mich mit Haut und Haaren in dieses Weib. Nach einigem Hin und Her und der Mitteilung, dass Sie noch einen anderen Sub hätte, trafen wir uns endlich real und Sie mich mitten ins Herz.
Zum ersten Mal lebte ich meine sinnlichen Neigungen unter Ihrer konsequenten Anleitung und zu Ihrem und meinem Vergnügen ziemlich grenzenlos aus. Ich fühlte mich stark, sinnlich, ganz und gar männlich halt.
Es war so, als würden wir uns schon seit einigen Leben kennen, und immer öfter brauchten wir keine Worte, um uns zu verstehen. Es war perfekt, und Ihr aktives Schauen nach anderen männlichen Subs nahm ich nur am Rande und als mich nicht betreffend wahr. Ich wurde Ihr Eigentum und Ihr Geliebter.
Es ergab sich, dass Sie dann zu mir zog, und langsam, langsam wurden wir immer mehr ein Paar. Sicher, es gab DS und SM und Sex und all das, aber es gab auch Alltag und gemeinsames Arbeiten. Sie begann mich immer mehr zu lieben, und ich liebte Sie ja eh.
So ging das fast ein Jahr, dann fing Sie an, sich aktiver nach anderen Männern in der Szene umzusehen. Immer öfters hatten wir männlichen Besuch zu hause. Sie erwartete, dass ich dies als Ihr Eigentum einfach so hinnahm. Bei manchen Männern war dies nicht so schwer, bei andern ging es gar nicht, und bei wenigen klappte es sogar ab und an zu dritt. Sie genoss es, uns Männern bei unseren Sinnlichkeiten zuzuschauen und sich ab und an aktiv einzuklinken.
Doch einige dieser Männer gingen durch unsere Wohnung und unser Leben, als gäbe es mich gar nicht. Sie schliefen in unserem Bett, Madame immer in der Mitte; sie aßen an unserem Tisch und wurden von Ihr gefickt, gehätschelt und bespielt, ganz nach Ihrer Lust und Laune.
Dann kam der Umzug in ein größeres Haus. Sie gestand mir eine weibliche Sub zu, zum Plaudern und Spielen und holte sich direkt einen anderen Kerl mit ins neue Haus. Leider interessierte mich keine andere Frau, und so konnte ich mich auf »meine« Sub nicht einlassen, und nach einigen Monaten wurde die DS dort wieder aufgelöst. Ich konnte mir Sex und Sinnlichkeiten nur mit Madame, oder, wenn schon mit einer anderen Frau, nur in Ihrer Anwesenheit vorstellen. Das allerdings war nicht Ihr Kick. Sie fand das Spiel von Frau und Mann miteinander eher abtörnend, denn erregend.
Madame jedoch amüsierte sich köstlich, sowohl virtuell als auch real, mit anderen Männern. Ich bekam immer weniger von Ihr, weniger Zeit, weniger Aufmerksamkeiten, weniger Sex und kaum noch SM.
Wenn ich versuchte, mit Ihr darüber zu sprechen, dann nannte Sie mich eifersüchtig oder kam mit Argumenten von schwindender Libido bei Ihr von wegen des Alters und so. Sie versuchte, mich zu überzeugen, dass Sex und Liebe bei Frauen getrennt und überhaupt ganz anders seien und dass das eine mit dem anderen so gar nix zu tun hätte und Sie nur mich wirklich und wahrhaftig lieben würde.
So ging das eine ganze Weile, die Kerle kamen und gingen, kamen und gingen. Ich verhungerte und hielt mich fest an Ihren Worten von Liebe und der Einmaligkeit unserer Beziehung. Sehnte mich nach Ihren Händen, Ihrer Zunge an meinem Schwanz, nach dem süßen Schmerz Ihrer Peitsche. Begehrte Sie umso mehr, je lauter das Fickgeschreie und Schmerzgestöhne der anderen Männer aus Ihrem Spielzimmer drangen.
Meine eigene Männlichkeit ging so langsam den Bach runter und verschwand hinter arbeiten, putzen, dienen. Und doch liebte und begehrte ich Sie noch immer.
Dann tauchte plötzlich ein völlig anderes Kaliber von Mann im Haus auf. Groß, muskulös, langhaarig, ausgestattet wie ein Pferd, Smalltalk fähig und mit göttlichen Kochkünsten gesegnet. Ein Vorzeigeexemplar von Kerl halt. Und devot, zumindest in akzeptablem Maße.
Madame verliebte sich in ihn, von jetzt auf gleich, ohne ein Zögern und absolut zweifelsfrei. Und seitdem steht unsere Welt total auf dem Kopf, mein Freund.
Ich bin devot und maso, aber ich bin auch ein Mann. Der Kerl schläft mit schöner Regelmäßigkeit bei Madame im Haus. Er fickt Sie mit Ausdauer, und Sie bespielt ihn mit ebensolcher. Ihre Lust durchdringt alle Mauern. Anschließend wuselt er durch unsere Küche. Er ist immer um Sie herum und kümmert sich rührend und aufmerksam um Sie. Er ist ganz und gar auf Sie konzentriert, hat viel Freizeit und keine großen eigenen Termine neben den Ihren.
Und Madame? Sie strahlt und blüht auf, ist lebendig, aufgedreht und lachend, wenn er da ist. Im Wohnzimmer streichelt er den ganzen Abend auf der Couch Ihre Füßchen, dann gibt es Küsschen hier, Häppchen da. Fußbad und Massagen. Madame geht auch wieder aus, mit Ihm, und sonnt sich in den neidischen Blicken der anderen Frauen. Ist er für ein paar Tage weg, dann wird Sie kränklich, nervös, unleidlich. Schmerzen hier und da, und aufstehen geht so gar nicht mehr.
Er ist immer anwesend, auch wenn er weg ist. Und dann gibt es ja noch den PC. Da plaudert Sie mit ihm, auch wenn Sie mir gerade gesagt hat, dass Ihr eigentlich jetzt nicht nach Reden sei.
Ihre gesamte Sinnlichkeit ist fokussiert auf diesen Kerl von einem Mann.
Will ich über mich sprechen, über meine Sehnsucht, mein Begehren, unsere Beziehung, dann wiegelt Sie ab mit: »Och, ich versteh die Männer nicht! Ich bin doch deine Frau und Partnerin und ich liebe dich! Sei doch nicht immer so egoistisch, denk doch auch mal an mich! Ich lieb ihn doch nicht so wie dich, ich begehre ihn doch nur. Ist doch nur Sex. Bist du etwa eifersüchtig? Mein Gott, kannst du es nicht einmal aushalten, dass es mir gut geht? Soll ich ihn etwa wegschicken, nur weil du so kindisch bist?«
Sagt es und macht den Fernseher an.
Wie kann es Ihr gut gehen, wenn ich neben Ihr verhungere? Wie kann ich Ihr meine Liebe zeigen, mein Freund, wenn der Platz neben Ihr und zu Ihren Füßen ständig von diesem Adonis besetzt ist? Wo ist mein Platz? Wer und was bin ich für Sie? Ein Mann? Ihr Mann? Bin ich ein Mann? Was für ein Mann bin ich denn?

Danke, dass du mir zugehört hast, mein Freund.

Der große und der kleine Hunger

Er sagte: »Du kommst ohne Slip, mit Halterlosen unterm Mantel. Hohe Schuhe. Sonst nix!«
Sie sagte sich: »Vertrauen muss man vorschießen, und Suche verlangt halt manchmal ein Entblößen in den freien Raum hinein. Also gut, lassen wir es drauf ankommen!«
Und sagte ihm: »Ja Herr, ganz, wie Sie es wünschen.«
Treffpunkt Café. Von ihr gewählt, weil sie sich dort heimisch fühlt.
Er sitzt schon am Tisch. Sie hält kurz inne, denkt an den »Vorschuss«, durchquert dann zügig den Raum und kniet vor ihm nieder. Die Blicke der Anwesenden spürt sie nur anhand des Zusammenzuckens und dem kleinwenigen Schrumpfen seinerseits im Stuhl. Immerhin streckt er ihr die Hand entgegen. Zaghaft. Aber, immerhin.
Beim Aufstehen tritt er hinter sie und will ihr aus dem Mantel helfen. Ihr kurzes Zögern bemerkt er gar nicht, und ihr huscht nur wieder der »Vorschuss« durch den Kopf, und so senkt sie ergeben den Blick und nimmt willig die Schultern zurück.
Als ihre Titten schon frei im Raume schwingen, hört sie von hinten einen erschreckenden Japser: »Oh, du bist ja wirklich nackt?! Scheiße!«
Ihr Körper wird mit einem Ruck wieder in die Stoffbahnen geschoben, und er tastet etwas unkoordiniert an den Knöpfen herum.
Der Vorschussgedanke blinzelt nochmals etwas verschämt um die Ecke und verpufft dann in einem zierlichen Rauchwölkchen. Einem rosaroten wohl. Immerhin bringt sie dieses Bild kurz zum Kichern.
Sie ordnet rasch den Mantel und die inneren Koordinaten neu und schiebt sich einen Stuhl zu recht.
»Setz dich!« Sie zeigt auf den Stuhl. »Und lass das mit dem Beine übereinander schlagen und dem Rumgezappel. Ich mag das nicht.«
Sie winkt der Kellnerin und bestellt sich einen Kaffee und für ihn ein Mineralwasser.
»Du kannst mich ruhig anschauen. Ich beiße nicht. Nicht, wenn ich es nicht will. Du bist also Dom? Okay, dann möchtest du sicher einiges über mich wissen, meine Erfahrungen, meine Tabus?«
»Ähm, ja, ähm, klar … gerne … ja … ähm …«
»Halt deine Finger still, wenn du mit mir sprichst! Genau so, Hände flach auf den Tisch, und da bleiben sie. Gut!«
Sie beugt sich ein wenig nach vorne, so dass mehr als der Ansatz ihrer Brüste ihm entgegen springen, und fängt an, zu erzählen. Im leichten Plauderton so einen Rundumschlag über SM aus ihrer Sicht. Lässt genüsslich kichernd ein paar Beispiele einfließen, so von wegen Schlagsession, Nadeleien, Blutspiele und Langzeitbondage. Als sie das Gefühl hat, dass es ihm gleich mehr als kotzübel wird, trinkt sie ihren Kaffee aus, steht auf, reicht ihm ihre Hand:
»Du darfst die Rechnung bezahlen und mir die Hand zum Abschied küssen.«
Etwas konfus wirkend will er die Hand nehmen.
»Hallo, machst du das vielleicht in der richtigen Position?!«
Als sie sich an der Tür noch einmal umdreht, kniet er noch immer neben dem Tisch und neben sich. Sie holt tief Luft. Na gut, dann eben ab ins Fitnessstudio. Den großen Hunger wird sie heute wieder nicht stillen können, und für den kleinen gibt es halt den Crosstrainer.

Deine Sehnsucht

Du sagst, ich soll Dich strafen und quälen. Warum? Weil Du für mich leiden wollest, sagst Du. Für mich? Woher nimmst Du die Gewissheit, dass gerade dieses Leid mich lächeln lässt?
Du sagst, ich soll Dich benutzen und erniedrigen. Die passenden Bilder zu Deiner Fantasie legst Du mir zufällig gefällig täglich vor die Füße. Ich stolpere darüber und kicke sie beiläufig in die nächste Ecke.
Du sagst, ich soll Dich behandeln wie Dreck. Sorry, ich dulde keinen Dreck in meiner Nähe, und sogar mit unvermeidbarem Schmutz gehe ich sorgsam um.
Du sagst, ich soll Dich erziehen und formen nach meinen Vorstellungen. Nach meinen? Wie kommst Du bloß darauf, Du seiest nicht ganz und gar genauso, wie ich Dich will? Du wärst nicht an meiner Seite, wäre es anders.
Du schenkst Dich mir, und als Dank dafür weide ich mich an Deiner Sehnsucht, quäle Dich mit Versagung, verweigere Dir die Kopien einer mittelmäßigen Secoundhandverlustigung, kleide Dich in meinen Duft und lasse Dich so sein, wie Du bist. 
Ich bin eine widerliche Sadistin, mein Kleiner. Ja!

Ätzend


Sie kniete vor IHR. Nackt, bis auf die Bänder. Beine gespreizt, Kopf gesenkt, Mund leicht geöffnet, Augen verbunden. Die zitternden Hände rutschten immer wieder von den Schenkeln. Sie spürte IHREN Blick. Schweigend. Anklagend. Kalt. Kälter.
Jedes Zeitgefühl war ihr schon lange abhandengekommen. Das Zittern in ihr breitete sich aus.
Ihre Unterlippe bebte.
»Wir hatten eine klare Abmachung! Ein Fehler von dir in diesem einen Punkt und es ist vorbei.«
»Aber!«
»Schweig!«, kam es leise, gefährlich leise von IHR.
»Ich habe mich getäuscht in dir. Du bist einfach nur unfähig. Dreck. Ein Stück Fleisch ohne Verstand. Ein mieses Scheißerle, das sich wichtigmachen wollte. Du widerst mich an. Nein, eigentlich nicht mal mehr das.«
SIE war ätzend in dieser kalten Sanftheit. Jedes Wort traf. Punktgenau. Schweißfördernd. Schamtreibend.
»Ich mag dich nicht mehr sehen, riechen, schmecken. Du langweilst mich mit deinen Unfähigkeiten. Du bist es nicht wert, dass man sich mit dir abgibt. Ein zufälliges Blinzeln in deine Richtung ist schon zu viel der Beachtung.«
Sie konnte die Tränen nun nicht mehr zurück halten.
»Hör mit dieser Heulerei auf! Das ist ja eklig. Oh Gott, bist du widerlich! Steh auf! Leg die Hände auf den Rücken! «
Die Haken klickten ein. SIE legte ihr den Umhang um. Die Leine.
»Da du meine Aufmerksamkeit mit Füßen getreten hast, werde ich dich nicht länger bei mir dulden. Keine Minute mehr. Du erinnerst dich an den brutalen Kerl, der sich letztens bei Clara so aufgespielt hat? Nun, er ist so gnädig, dich bei ihm aufzunehmen. Du wirst ihm ein wenig die Zeit vertreiben. Er holt dich gleich ab. Deine Sachen werden später rüber gebracht werden.«
Langsam sickerten die Worte in ihren Verstand und rissen ihren Kopf nach oben. Sie schnappte nach Luft. Das! würde SIE nicht wagen. Das! würde SIE ihr nicht antun. SIE wusste um ihren Ekel vor jeder männlichen Berührung. SIE wusste um dieses eine, einzige, unverbrüchliche Tabu. SIE wusste es!
»Nein, nein, nein! Bitte, bitte! Nein!«
Zurückweichen. Stolpern. Die Leine ließ ihr kaum Spielraum.
»Hör auf! Schweig!«
Sie sackte innerlich zusammen und richtete sich auf. Wie immer bei diesem einen, bestimmten Ton in IHRER Stimme. Das Programm in ihr lief. Absoluter Gehorsam. Es gab nichts in ihr, was sie dem entgegen zu setzen hätte. Nicht mal die immer schneller kreisende Angst konnte dies durchbrechen. Gehorsam und Angst. Angst und Gehorsam. Grellroter Tanz in ihr. Alle Sinne überflutend. Es klingelte, Schritte im Flur, Gemurmel. Jemand betrat das Zimmer.
»Ach, da ist ja die kleine Schlampe! Ich will sie mir ansehen, jetzt!«
Die Stimme klang rau und hart. Ihr Umhang wurde gelöst. Fremde, kalte Hände glitten leicht über ihren Körper. Männliche Hände. Brutale Hände. Die Berührungen schmerzten, bissen sich in ihr Fleisch und ihre Seele.
Sie schrie. Schrie. Schrie. Fiel. Und fand sich in IHREN Armen wieder. Ihr Kopf gebettet an IHREN warmen, weichen Brüsten. Bedeckt von IHREN zärtlichen Küssen. Gestreichelt, gehalten.
Jemand betrat das Zimmer.
»Der Tee ist gleich fertig, ihr Süßen. Die große Kanne, die Nacht wird ja sicher noch lang.«
Clara hatte schon immer diesen rauen, etwas herben Klang in ihrer Stimme. IHR leises Lachen ergoss sich perlend über ihr.

»Du solltest endlich anfangen, mir zu vertrauen, Liebes!«

Poesie der Fleischeslust

Dein Gehorsam brennt mir
ein Leuchten in die Augen.
Dein Schmerz ist meine Lust.
Deine Tränen stillen meinen Durst
Dein Lachen ist meiner Seele Nahrung.


Zu meinen Füssen liegst du da,
In deinem Schmerz voll Schönheit.
Dein Stöhnen reine Poesie, 
Dein Zucken  mein Versmaß.

Glut

Sie steht vor dem Spiegel. Schaut sich an. Zum ersten Mal seit Jahren schaut sie sich wirklich an. Ihr Blick gleitet über die Falten in ihrem Gesicht, über die scharfen Kanten um die Mundwinkel. Streift die hängende Haut an ihrer Kehle, die leicht nach vorne gebeugten Schultern, die müde geneigten Brüste und die aufdringliche Wulst ihrer Bauchschürze. Die noch recht straffen Pobacken und ihre wohlgeformten Schenkel werden von ihren Augen gestreichelt. Sie geht in die Knie und beobachtet das Spiel ihrer Beinmuskeln. Richtet sich auf, hebt die Arme zur Seite und dreht sich hin und her.

„Ach, Weib! Schön bist du!“
Ein Lächeln erstrahlt in ihrem Gesicht und sie streckt sich die Zunge heraus:
„Wo warst du nur die ganzen letzten Jahre? Wie konntest du dir nur so abhanden gekommen sein?“

Sie sinkt vor dem Spiegel auf die Knie, die Arme fest um sich geschlungen. Sie weiß es ja. Erinnert sich. An die unendliche Traurigkeit, an die kalte Einsamkeit nach dem Tod des geliebten Mannes vor Jahren. An die Wochen und Monate, in denen sie sich vergrub in Tränen und Unfassbarkeit. Dann der Zorn und die Wut, die sie doch nicht nach außen tragen konnte und in sich hineinschluckte. Die Jahre, die sie wie paralysiert in geschlossenen Räumen verbrachte, verbunden mit der Wirklichkeit nur noch durch die Scheinwelt des Fernsehens. Gefangen in sich selbst, umgeben von den staubigen Attributen einer längst vergangenen, verloren Zeit. Kreiselnd in Gedanken an Alter und Tod, versinkend in Selbstmitleid und einer schreienden Sehnsucht nach dem Unmöglichen.

Krank war sie damals, an Geist und Körper. Letzteren schändend durch zuviel Essen, so als könnte sie die Leere in sich füllen mit all der Schokolade und all dem ungesunden Fraß. Mauern aus Fett, hinter denen sie sich selbst verlor. Keine Luft zum Atmen. Keuchend in der Nacht, am Tage zu schwach weiter als bis zum Supermarkt zu schleichen. Sich selbst aufgebend, vom Hausarzt schon längst abgeschrieben. Ruhig gestellt mit Antidepressiva und Asthmamedikamenten. Leblos. Sich selbst nicht mehr spürend.

Und dann tauchte „Sie“ auf. Dieses kleine, rundliche Wesen. So viel jünger als sie selbst. Ein Wirbelwind, ein Bündel an Chaos und Energie. Hüpfte in ihr Leben, fiel von Jetzt auf Gleich vom Himmel und stand eines Morgens als stundenweise Hilfe vor ihrer so gut verbarrikadierten Tür. Dieses Lachen, diese Lebensfreude pur. Zuerst war sie nur sprachlos. Fühlte sich überrannt. Wollte sich zurückziehen, abwehren, raus werfen. Wie konnte dieses Wesen es wagen, so in ihr Leben zu platzen? Wie konnte dieses junge Ding sich anmaßen über ihren Schmerz einfach hinwegzuhören? Wie konnte sie sich erdreisten einfach den Fernseher auszumachen, die Vorhänge zu öffnen und die Fenster weit aufzureißen?

Wie zornig sie damals war. Oh ja, Anna weckte den Zorn in ihr. Ein heißes, brennendes Gefühl. Angeschrieen haben sie sich. Gestritten über Alles und Jenes. Nach einigen Wochen kam Anna jeden Tag. Nix mehr von wegen Arbeit und Betreuung. Anna tauchte zu den unmöglichsten Zeiten auf. Wollte mit ihr frühstücken morgens um sieben. Einkaufen kurz vor Ladenschluss und durch den Park laufen mitten in der Nacht. Ihr Lachen drang durch die Räume und zerfetzte die wohlige, sichere Decke der Trauer und der Einsamkeit. Eine andere Art von Atemlosigkeit breitete sich aus. Es gab keine Möglichkeit sich dagegen zu wehren. Anna ignorierte einfach jedes „Nein!“ indem sie ihre Hand schnappte und sie mit sich zog.

Nach einer Weile schleppte Anna sie ins Yoga. Provozierte sie so lange, bis sie sich auf dieser schmalen Matte wieder fand. Wie ein dickes Walross auf dem Land fühlte sie sich bei den ersten Übungen. Es schien keine Verbindung zu geben zwischen Kopf und Muskeln. Gestörte Leitungen. Ihr Körper tat nichts, aber auch gar nichts von dem, was ihr Kopf ihm befahl. Zum ersten Mal seit Jahren spürte sie, dass da irgendwas nicht stimmte, dass ihr Körper nicht mehr zu ihr gehörte. Weinend lag sie daraufhin stundenlang in den Entspannungsübungen. Tränen, millionenfach ungeweinte Tränen lösten Konten für Knoten, brannten Fettzelle um Fettzelle hinweg. Und mit jedem Schluchzer, mit jedem Seufzer, mit jedem kontrollierten Atemzug, mit jeder geschafften Übung sog sie das Leben in sich ein. Spürte, spürte sich wie nie zuvor. Sinnlichkeit, eine neue, unvermutete Sinnlichkeit breitete sich in ihr aus. Eine Tür öffnete sich und ließ sich nicht mehr schließen.

Drei Jahre ist dies nun her. Anna wohnt mittlerweile in einer anderen Stadt, hat ihr Studium abgeschlossen und arbeitet nun mit Kindern. Sie telefonieren oft miteinander. Oder unterhalten sich über das Internet. Oh ja, auch dies hatte Anna ihr beigebracht. Teufelszeug, unsinniger moderner Quatsch nannte sie selbst es damals. Anna lachte nur und schaffte über Freunde einen alten PC in ihr Wohnzimmer. Bestand hartnäckig darauf, dass sie sich nächtelang damit beschäftigte.  Ohne recht zu wissen, wie ihr geschah, war sie plötzlich Besitzerin einer DSL-Leitung und betrat staunend eine neue Welt. Heute erscheint ihr der Umgang mit diesem Medium wie eine Selbstverständlichkeit. So viele neue Menschen hat sie darüber kennen gelernt. So viele Informationen in Wissen für sich verwandelt. Nein, sie möchte diese Art der Kommunikation nicht mehr missen.

Sie erhebt sich. Wischt das Nass aus ihrem Gesicht. Lächelt sich noch einmal zu und schickt in Gedanken eine tiefe Umarmung, einen dicken Kuss zu Anna.

Nun muss sie sich beeilen. Rasch schlüpft sie in die schon auf dem Bett bereit gelegten Kleider. Helle Kleider in sanften Farben. Seidige Strümpfe und hohe, passende Schuhe. Sie trifft sich heute Abend mit Helmut. Helmut, den sie über einen Chat kennen gelernt hat. Der sie seit Wochen mit Worten und zugeschickten Blumen umgarnt. Der ihre Vorlieben für klassische Literatur und modernen Tanz teilt. Der ganz in der Nähe wohnt und heute Abend mit ihr zu einem Konzert einer altbekannten Rockband ausgehen wird.

Ihre Finger zittern ein wenig, als sie leichte Schminke auflegt. Ihr Herz klopft ihr bis zum Hals. Sollte sie nicht doch lieber absagen? Eine Erkältung vortäuschen? Überraschend aufgetauchter Besuch? Allgemeine Unpässlichkeit? Doch kaum gedacht, sieht sie vor sich die hochgezogene Augenbraue von Anna und den zu einer saftigen Bemerkung bereits gespitzten Mund. Kichernd fährt sie noch einmal mit dem Kamm durch ihre Haare, schnappt sich die Handtasche, wirft ihrem Spiegelbild noch einen lächelnden Gruß zu und eilt zur Tür.

„Oh ja, Anna, das Leben ist wunderschön und hört nicht auf, nur wegen einer dummen Angabe auf der Geburtsurkunde! Es ist nur eine Zahl, mehr nicht!“  

Sie

... Ihre Hände streichen über die weiche Innenseite ihrer geöffneten Schenkel. Sie spürt das leichte Zittern unter ihren Fingerspitzen.

Sie verringert den Druck... zart, ganz zart lässt sie ihre Fingerkuppen in gleichmäßigen Linien von den Knien bis zur ersten Erhebung vor den Schamlippen gleiten. Versucht sich und der Frau Ruhe und Sicherheit zu signalisieren.

Eine Überraschung ihres Herrn und Geliebten. Eine fremde Frau, von Ihm gebunden auf dem Tisch vor ihr. Die Beine weit geöffnet, abgeknickt, fixiert. Der Arsch vorne auf der Kante, fast freischwebend. Die Arme nach hinten seitlich über den Kopf gezogen, so dass sich ihr die vollen Brüste anbietend entgegen strecken. Die Augen verbunden. Vollschlank mit sichtbarer Taille und ausladender Hüfte. Rasierter Hügel, hoch liegender Kitzler.

Sie weiss nicht, was Er von ihr erwartet. Er sitzt ruhig und entspannt im Sessel, deutet nur mit einer kleinen Bewegung des Kopfes an, dass sie sich weiter mit der Frau beschäftigen soll. Ihre Blicke gleiten erneut über den Körper vor ihr. Gesicht, Titten, Arsch... schön, anregend.

Magisch angezogen wird sie jedoch von der weit geöffneten Kuhle zwischen den Beinen. Seiner Haltung entnimmt sie, dass sie sich Zeit lassen kann. Sie will es genießen. Sich langsam nähern. Sich treiben lassen. Keinen Plan, keine konkreten Vorstellungen.

Sie verstärkt den Druck ihrer Hände wieder. Jetzt gleitet sie mit der ganzen Handfläche über die Schenkel, leicht knetend, fester zugreifend. Lässt die Hände seitlich in die Kuhle zwischen Oberschenkel und Schamlippen dringen. Hält inne, erhöht den Druck der Handkante und tastet gleichzeitig mit den Daumen über die Weichheit. Leicht erst, dann fester. Zieht sie auseinander. Spürt wieder das Zittern und lässt beide Daumen hinein gleiten und öffnet die Grotte weit. Die Frau stöhnt leise. Sie massiert die Innenwände und spürt die ersten zarten Kontraktionen. Nässe. Wärme. Der Duft erregt sie. Umrundet nun mit dem Daumen den Kitzler. Nimmt ihn zwischen die Nägel und drückt unvermittelt zu. Ein Wegzucken und ein leiser Schrei.

Erschreckt weicht sie zurück. Blickt zweifelnd zu Ihm. Ein leichtes, beruhigendes Lächeln umspielt Seine Lippen und Sein Blick wandert zum Koffer mit den Spielsachen. Nein, noch nicht!

Diesmal legt sie die Hände direkt auf den Hügel. Kreisende Bewegungen, zwei, drei Finger. Rein, raus ... zärtlich erst, dann fester, schneller. Streicht die Nässe über den Damm und die faltenreiche Öffnung. Ihre Daumen dringen dort ohne großen Widerstand ein. Sie spürt ihre Finger durch die dünne Wand und wieder die leichten Wellen der Erregung. Zieht sich zurück und spreizt die Schamlippen weit auseinander. Lässt ihre Zunge über das gespannte Gewebe gleiten, saugt sich fest an der Klit. Nimmt sie zwischen ihre Zähne, beißt sich fest an den Schamlippen... gierig, ziehend. Der Duft und der Geschmack bringen sie zum Vibrieren und sie beißt fester. Stößt gleichzeitig mit ihrer Hand fordernd in die andere Rundung. Findet ihren Rhythmus, versinkt.. und die leisen, immer höher werdenden Schreie der Frau dringen doch zu ihr durch. ......

Nein, sie wird hier nicht die Kontrolle verlieren. Nicht bei der Frau. Diese Art der Erregung und des Fallenlassens gehören nur zu Ihm. Hier ist eine andere Art des Genusses und der Erregung gefragt.

Etwas öffnet sich in ihr, verschiebt sich. Sie ist ganz wach und konzentriert sich erneut auf den Körper vor ihr. Nimmt ihn nun mit anderen Sinnen wahr. Oh ja Erregung... gepaart mit dem Gefühl der Macht. Wieder streichen ihre Hände über den Körper.

Besitzergreifend jetzt. Umrundet ihn. Lässt keine zugängliche Stelle unberührt. Registriert mit allen Sinnen das leiseste Zucken, Zurückschrecken und merkt sich diese Stellen für später. Steht dann neben ihr, umfasst ihren Kopf mit beiden Händen und drückt ihre Lippen fest auf ihren Mund. Saugt, leckt und beißt sich zurück bis zwischen die Beine. Stöhnen... gut ... sie will sie schreien hören.

Ein Blick zurück zu Ihm. Die Freigabe durch Sein wissendes Lächeln ... und sie lässt die Wölfin los, überlässt nun ihr die Führung und spürt ihr befreiendes Lachen, ihre Wildheit und ihr lang unterdrücktes Begehren.

Sie setzt die Klammern an die äußeren Schamlippen... leichte zuerst... ersetzt dann jede zweite durch die gezackten. Zieht die Schnüre hindurch und spreizt daran die Lippen auseinander und fixiert an den Schenkeln ... an den kleinen setzt sie sofort die scharfen und taucht ein in das Schreien... ihre Zunge läuft über die Klit, ihre Zähne umfassen die Haut neben den Klammern und in einer einzigen Bewegung stößt die den Plug in den Arsch und zieht die Klammen mit den Zähnen von den kleinen Lippen.

Die Schreie spitz und hoch jetzt. Sie reißt den Plug heraus ohne die Zähne von der Klit zu lösen, stößt mit der Hand in das geöffnete Loch und entfernt gleichzeitig die restlichen Klammern ohne Übergang... Saugt und beißt sich tiefer in dem vor Erregung geschwollenen Fleisch fest, der Geschmack von Blut auf ihren Lippen bringt sie fast um den Verstand und sie spürt, wie die Frau sich in ihr ergießt. Auch ihr Körper bebt. Einatmen. Ausatmen. Einatmen.

Sie streckt sich, dreht sich um und schaut ihren Herrn und Geliebten an. Die Wölfin ist noch nicht befriedigt, giert nach mehr, sehnt sich nach dem Zischen der Gerte auf nassem, heißem Fleisch...... doch es reicht. Für heute reicht es. Sie holt sie zurück und legt ihr gegen das Toben und Wüten das Halsband um. Geht noch einmal zu der Frau. Streicht ihr zärtlich über den Körper. Haucht ihr einen weichen Kuss auf den Mund, löst die Fesseln: „Ich danke dir!“.

Und vergisst sie. Kniet sich vor Ihm hin, schaut Ihm für ein, zwei Sekunden in die Augen und senkt dann demütig den Blick. Beugt sich mit einer Drehung weit nach vorne. „Bitte“

Achtung

Sie hing in den Seilen. Wie lange? Lange. Kein Zeitgefühl mehr. Schmerz. In Wellen, am Stück. Fließend, sprühend, zentriert.

Schreie, Stöhnen, Weinen. Vor einer Ewigkeit schon verstummt. Sie hatte eine Tür nach der anderen verschlossen. Auch die der Lust und die des Widerstandes. Sich kein Abdriften erlaubt diesmal.

Je härter Sein Tun, je lauter und quälender Sein stummes Schreien, umso tiefer das sie einhüllende Schweigen. Es war nicht mal mehr ein Kampf. Ihr Kopf war klar wie nie zuvor und ihre Haut eiskalt.

Mit jedem Schlag, mit jedem Schnitt, mit jedem Fetzen Haut, den Er von ihrem Körper riss, mit jedem Brocken Fleisch, den Er verschlang von ihr, kotzte sie Ihn wieder aus. Bröckchen für Bröckchen spie sie Ihn auf den Boden.

Und je dunkler und zähflüssiger das Blut zu ihren Füßen wurde, je heftiger Sein hilfloser Schmerz sie überrollte, umso deutlicher drangen die Worte zu Ihm durch, die sie ganz am Anfang, einer brennenden Fackel auf öligen Wogen gleich, in den Raum geworfen hatte: „Wenn Liebe Achtung ist und die Achtung schwindet, was wird dann aus der Liebe, mein Herr?“

Die Antwort, deren Frage er bisher in sich nicht mal vermutete, las er nun überdeutlich in Ihren sich mit einem glucksenden Lächeln füllenden Augen. Der letzte Schlag, mit aller Kraft und wissender Verzweiflung geführt, schleuderte Sie endgültig in sich selbst zurück und zerfetzte Ihn in tausend bröselige Stücke.

Ankommen

Schmerzen. Die Inszenierung des Schmerzes. Immer wieder gehen ihr diese Begriffe durch den Kopf. Unaufhörlich. Die gesamte Bahnfahrt über. Ohne rechten Zusammenhang: die kunstvolle Inszenierung des Schmerzes. Dies erwartet sie. Danach sehnt sie sich. Davor läuft sie zitternd davon. Dorthin fährt sie jetzt.

Sie steht in der großen Halle des Bahnhofs. Wartet auf seine Nachricht. Nie weiß sie, wo genau sie hinkommen soll. Kennt den Ort ihres Treffens nie vorher. Wenn sie das Besondere ihrer Beziehung beschreiben sollte, dann ist es dieser Moment, wenn sie aus dem Zug aussteigt und Er nicht da ist.

Ein Freund, ein Geliebter würde auf dem Bahnsteig stehen, sie in den Arm nehmen, begrüßen. Vielleicht Blumen. Vielleicht Freude und Begierde in Gesicht und Körperhaltung ausdrücken.
Niemals Er! Niemals bisher, nicht heute, niemals in Zukunft.

Sie steht in der großen Halle. Die Menschen strömen an ihr vorbei. Minuten der Konzentration, des Sich-Sammelns. Sie richtet sich auf, ihr Körper spannt sich, wird gerade. Sie fühlt wie Stärke und Stolz sich in ihr aufbauen. Sie schaut den vorbei Eilenden in die Gesichter: verkniffene, gehetzte, mürrische Masken der Geschäftigkeit. Sie lächelt und weis um die Besonderheit ihres Seins. Ruhe breitet sich in ihr aus. Die Gier und die Begehrlichkeiten der letzten Wochen verflüchtigen sich, fallen wie Tücher, Schicht um Schicht.

Sie ist bereit für den nächsten Schritt.

Aus dem Taxi steigend, bleibt sie für einige Sekunden vor der Hoteltür stehen. Die letzte Schwelle. Danach gibt es kein Zurück mehr. Die nächsten Stunden wird sie jegliche Kontrolle über ihr gesamtes Wesen und ihr Sein abgeben. Vollständig. Es nicht aufhalten können. Einen kurzen Moment zögert sie. Drängt die Panik zurück. Öffnet die Tür.

Er sitzt im Sessel. Schaut sie nicht an. Sie stellt ihre Taschen ab. Beginnt sich zu entkleiden. Langsam. Unsicher. Noch immer rechnet sie in diesem Moment mit einem hämischen Kommentar von ihm. Ein vernichtendes: "Was tust du da?"

Am Anfang hat sie immer auf seinen Befehl zum Ausziehen gewartet. Aber bei dem letzten Treffen hatte sie das Gefühl, dass Er dies einfach von ihr erwartet. Trotzdem bleibt ein letzter Rest der Ungewissheit. Eingefahrenes Muster aus alten, weit entfernten Erfahrungen.

Nackt steht sie vor Ihm, wartend auf eine Geste der Bestätigung, der Anerkennung.

"Drei!"

Sie dreht sich um, beugt den Körpeer nach vorne und zieht mit beiden Händen ihre Backen auseinander. Seine Finger gleiten zwischen ihre Beine und dringen in beide Öffnungen ein. Zu schnell! Widerstand macht sich in ihr breit. Sie zuckt nach vorne. Seine Hände klatschen auf ihr Fleisch. Sie hasst es, wenn Er sie so schlägt. Zu direkt, zu unmittelbar. Ihr Körper will sich aufrichten. Mit festem Griff umfasst er ihre Hüfte und dreht sie Richtung Bett, drückt mit einer Hand ihren Rücken tief nach unten, dringt von hinten in sie ein. Übergangslos, mit einem Stoß bis zum Anschlag. Sie schreit auf. Schmerz und Empörung rasen durch ihren Körper. Fest und schnell stößt Er zu. Wieder und wieder und wieder.

Ihre Abwehr, ihre Wut lösen sich in einem Nebel von Schmerz und Erregung auf. Kurz bevor sie sich ergibt, entzieht Er sich ihr:

"Dreh dich rum, Beine auseinander!"

Sie hält die Augen geschlossen. Spürt, wie Er an ihren kleinen Schamlippen zieht und dann den Biss der ersten Klammer. Sie jappst nach Luft. Noch eine und noch eine.

„Stell dich gerade hin. Geh ein Stück!“

Gewichte, die lang, viel zu lang, an ihren Beinen herab baumeln. Ihre Mitte ist ein einziger Herd des Schmerzes. Jede kleinste Bewegung, jedes Zucken von ihr bringen die Teile zum Schwingen.

Sie quietscht und hört sein leises Lachen. Dieses wahnsinnige, warme, selbstbewusste, genussvolle Lachen.

Und da ist es! Das fein ausgeworfene Netz schließt sich um sie. Eingefangen! Angekommen! Aller Schein, alle Abwehr, alle Rollen, alle wirren Gedanken verflüchtigen sich. All ihre Sinne ziehen sich an diesem Punkt und Ort in ihr zusammen, den Er für sie befreit und geschaffen. Kein Vergangenes. Kein Zukünftiges. Nur der Moment im Hier und Jetzt. Das letzte Tuch fällt und sie ist endlich ganz sie selbst.

Die Wölfin hebt den Kopf. Schaut Ihm tief in die Augen. Senkt den Blick. Streckt ihren Körper und geht mit leichten Schritten, trotz der Gewichte, trotz der Schmerzen gerade durchs Zimmer.

Sein Lachen umfängt sie und Seine Hand fährt Ihr hart und schnell zwischen die Beine. Der Tanz beginnt.

Entschuldigung

"Komm mal her, bitte! Setz dich hin und schau mich an. Wir müssen reden. So geht das nicht weiter. Was da gestern Nacht gelaufen ist, darf sich so nie nicht wieder holen. So was macht man einfach nicht!
Man kann nicht einfach seiner Geilheit derart freien Lauf lassen und über die Bedürfnisse und Befindlichkeiten seines Gegenübers taubblind drüber brettern. Ein bisschen Sensibilität steht jedem gut und eine klitzekleine Nachfrage, ob es denn genehm wäre, tut der Dominanz auch keinen Abbruch.
Man kann nicht den anderen so mir nichts dir nichts in eine Session schleudern und hoppla hopp, ohne Aufwärmen, mit der Whip beginnen. Und die Seile zieht man am Anfang auch net gleich so scharf durch den Schritt und die Krokodilklammern, ja die kann man irgendwann kurz vor dem Höhepunkt setzen. Damit fängt man doch nicht an! Die eignen sich übrigens auch überhaupt nicht zum Abschlagen, schon gar nicht mit einer Peitsche. Das weiß man doch, das sagt einem doch der gesunde Menschenverstand. Wenn man ihn denn mal anschalten würde bzw. ihn nicht permanent verlegt hätte.
Eine der wichtigsten Lektionen überhaupt: Hol den anderen da ab, wo er sich befindet und dann führe ihn, sanft aber mit Strenge, langsam an den Punkt heran, wo du ihn haben willst. Und man lässt den Alltag draußen.
Was war das denn, von wegen dem kleinen Missgeschick mit dem Auto letzte Woche? Jesses, das war doch längst erledigt! Da kann man sich doch nicht während der Session so rein steigern. Nenene, so geht das nicht. Die letzten Ohrfeigen, die hatten schlichtweg nichts mehr mit SM zu tun. Das war pure Gewalt aus Wut und klirrender Selbstgerechtigkeit. Und dass dabei dann auch noch der teure Bilderrahmen von dieser blöden Malerin, Wie-heißt-sie-doch-gleich, zu Bruch ging, war ja nun so auch nicht geplant und sicherlich ein teurer Verlust. Aber, bei Lichte besehen,  ja nun auch kein Weltuntergang. Darüber dann derart auszurasten und den Rest der Bude auch noch platt zu machen, ne, weißte, das gehört sich einfach nicht. Das war Krieg und keine Session.
Weißt du Schatz, so läuft dass nicht und so wollen wir das doch beide nicht, oder? Es geht doch um unsere Lust und Liebe und all diesen feinen Kram.
Deshalb entschuldige ich mich hiermit ganz hochoffiziell und ehrlich bei dir und verspreche dir, dass kommt nicht wieder vor! Versprochen. Ehrlich!
So, du bleibst jetzt schön ruhig und bequem hier sitzen und ich räum, ganz alleine, den ganzen Scheiß von gestern Nacht auf. Nein, nein, du machst gar nix. Schließlich habe ich das Chaos ja angerichtet. Du ruhst dich schön aus. Warte, ich hole dir auch noch schnell einen Eisbeutel für deine Wangen und vielleicht wechseln wir besser noch mal die Umschläge auf deiner Brust. Diese Klammern waren ja wirklich heftig. Mein armer, Schatz. Und ja, nachher gehen wir zum Arzt und lassen den mal nachschauen. Bestimmt ist der Zahn noch zu retten. So fest habe ich ja nun auch wieder nicht zugeschlagen. 
Ach so, ja, damit das ein für alle Mal klar ist: Das Auto fahr ab heute nur noch ich. Du lässt die Finger davon. Wir wollen ja nicht, dass sich sowas wie letzte Nacht wieder holt, nicht wahr? Schau mich jetzt nur nicht so komisch an. Was war das denn für ein Blick eben? Willst du mich provozieren? So guckt man doch nicht, Mann!"

Forumsgedöns

Einer verhaut seine Sub und verkündet dies in einem Forum.

28, die ähnliche Erlebnisse schildern und erklären, wie man es noch und auch, vor allem besser, hätte machen können

18, die vor den Gefahren des Subverhauens warnen

31, die auf Schreib- und Grammatikfehler in den bisherigen Nachrichten hinweisen

53, die die Rechtschreibprofis flamen

27, die sich beim Moderator darüber beschweren, dass Diskussionen über das Verhauen von Subs in dieser Form nicht in das öffentliche Forum passen

41, die die Rechtschreibung in den Schreib- und Grammatikfehler-Flames korrigieren

21, die schreiben, dass Fragen zum Verhauen von Subs doch bitte im Sub-Verhau-Zirkel gestellt werden sollten

17, die verlangen, dass die Cross-Postings im parallel laufenden Thread „Darf Dom seine Sub verhauen“  doch bitte eingestellt werden sollten

29, die anmerken, dass alle hier ihre Subs verhauen bzw. gerne verhauen würden und die Diskussion deswegen relevant für das Forum sei

106, die darüber diskutieren, welche Methode des Subverhauens wohl die beste sei, wo man die besten Sub-Verhau-Artikel kaufen könne und welche Hauwerkzeuge, warum und wieso, zu gar nix taugen

27, die Webadressen veröffentlichen, bei denen man sich verschiedene Hauwerkzeuge ansehen kann

14, die sagen, dass die URLs falsch gewesen sind und nun die richtigen angeben

33, die alle bisherigen Nachrichten aneinander hängen, komplett zitieren und mit einem "me too" versehen

12, die mitteilen, dass sie sich aus dem Forum abmelden, da sie die kindische Subverhau Kontroverse nicht mehr ertragen können

14, die auf "me too" mit "me three" antworten, nicht ohne alle Nachrichten zu zitieren

4, die vorschlagen, dass alle Fragesteller das Subverhau-FAQ durchlesen

1, der das neue Unterforum "Verhauen von Sub" vorschlägt

47, die entgegnen, dass das aber genau das Thema ist, mit dem sich das Hauptforum Forum  aus diesen und jenen Gründen ja nun beschäftigen müsse und die Diskussion deshalb hier bleiben soll

143, die für das Unterforum "Verhauen von Sub" stimmen

2, die sich in ihrer Domigkeit von diesem Unterforum diskriminiert fühlen

211, die sich nun ausgiebig über die Domigkeit der Doms an und für sich auslassen

14, die sich dadurch zutiefst persönlich angegriffen fühlen

1, der den Thread hiermit schließt

Die Quadratur des Schmerzes

Solange ich mich gegen ihn wehre, ist er einfach nur giftgrün, stinkt barbarisch und in mir ist nur ein Verlangen: Abstellen! Jetzt, gleich, sofort!
Gelingt das nicht, dann versuche ich ihn wegzudenken. Saublöd, weil in dem Augenblick fange ich an mit ihm zu kommunizieren und er verändert schelmisch lockend die Farben von grün nach braun, dann nehmen die Rottöne zu und die Gerüche schwellen nasserdig an. Er zwängt sich in meine anderen Wahrnehmungskanäle, fährt den Bass auf und webt einen warm bis feuerkalten Kokon um mich. Für das Irgendwann ab dann, da gibt es keine Worte mehr, keine konkreten Bilder. Es wird symphonisch. Weil Worte unauffindbar, kann ich es auch ab dem Moment nicht mehr beschreiben. Ich könnte ihn malend mit Tönen unterlegen, einen Geruch darüber stäuben und man müsste gleichzeitig an ihm lecken und mit den Fingern drüber fahren, um seine Gestalt zumindest ahnen zu können.

Wecken

Sie liegt zusammengerollt wie ein kleines Kätzchen ganz hinten an der Wand. Ihre Beine umschlingen die Decke wie einen Liebhaber, die Haare verwuschelt.

Ihr Gesicht ist so entspannt, kein Anzeichen von der leichten Zornesfalte zwischen den Augen, die doch so oft wie aus heiterem Himmel erscheint und die dann ihre Augen noch mehr hervorhebt. Diese wunderschönen grünblauen Augen. Die so strahlen können und die sich doch so oft in graues Stahl verwandeln, wenn die Wut und die Empörung in ihr aufflammen.

Ihr Mund ist im Schlaf leicht geöffnet. die Lippen im sanften Schwung entspannt, der Nacken gerundet, einladend.

Ich knie mich vor das Bett und lasse meinen Atem ganz zart über diese helle Rundung ihres Halses streifen. Atme den Duft ihres Haares ein. Lasse meine Zungenspitze sachte über ihre Ohrmuschel laufen.

Beuge mich nach vorne, meine Lippen fahren sanft und leicht über ihre mir zugewendete Schulter. Meine Hände kribbeln und fast ohne sie zu berühren zeichnen die Finger meiner linken Hand die Konturen ihres Rückens, ihres Pos und ihrer Oberschenkel nach.

Vorsichtig erhöhe ich den Druck in den Fingerspitzen, kreisende Bewegungen. Mit einem Seufzer, kaum hörbar, streckt sie sich meiner Hand entgegen. Nimmt meine Berührungen auf in ihre Träume.  Entrollt sich langsam. Bietet mir die weichen Erhebungen ihres Bauches und die zarten Hügel über den Muskeln ihrer Schenkel an. Meine Fingernägel beginnen ein hellrosa Muster auf ihrer Haut zu malen.

An ihrem Atmen merke ich, dass sie kurz davor ist aufzuwachen.

Meine rechte Hand wühlt sich in ihre Haare und drehen sie so, dass ich ihren Kopf fest halten kann. Ich kenne die Abruptheit  ihres Aufwachens und ihren Unmut und ihren Drang, dann aufzuspringen und die Welt mit einem Schwall von Beschimpfungen zu begrüßen. Also ziehe ich ihren Kopf nach hinten. Meine Hand gleitet, Besitz ergreifend, zwischen ihre Beine, krallt sich fest in ihrem Fleisch und mein Mund verschließt den ihren ………..

Guten Morgen, Liebes, aufwachen!

Wahrheiten

Würde mich jemand fragen: „Magst du geschlagen, gepeitscht, genadelt, mit Klammern bestückt, von Messern aufgeschlitzt, von Dornen zerrissen, von Händen und Zähnen zerfetzt werden?“ Dann würde ich aus tiefster Überzeugung und vollkommen ehrlich antworten: „Du hast sie doch nicht alle. Wie könnt ich so was an und für sich mögen. Niemals nicht!“ 
Eine meiner Wahrheiten.
Brechender Zorn, jenseits von jedem Opfer und Täter Geschwafel, über die Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Aufschreien, anschreien wegen und gegen die Gewalt der Gewaltigen, im Großen wie im Kleinen.
Eine meiner Wahrheiten. 
Das Schreien meines Gegenübers, das Winden, Bitten, Betteln, die Verzweiflung. Der bemühte Versuch eines Wohlverhaltens auf der einen Seite und das willkürliche Zerrbrechen der aufgestellten Regeln auf der anderen Seite, weil es nur eine gültige Regel gibt: Meinen Willen. Schmerz in solch einer Intensität und Grausamkeit, dass der Tod auf der Schwelle tanzt und Hass und Abwehr sich in die Schönheit und den Wahnsinn einer selbstlosen Liebe wandeln.
Eine meiner Wahrheiten. 
Beim Betrachten der Filme aus den Folterkellern der Welt mir die Seele aus dem Leibe kotzen und in Tränen ertrinken derart, dass das Sprechen darüber wie das Knirschen von verhornten Fingernägeln auf blass grauen Fensterscheiben klingt. 
Eine meiner Wahrheiten 
Schmerz als Ritual, als Türöffner, als Wegbereiter, als Bote von und zu der eigenen Seele. Schmerz, mir gehörend, mich mir selbst offenbarend. Fantasien voller Blut, Gewalt, Hoffnungslosigkeiten, unerträgliche Zumutungen für Körper und Geist. Seit frühester Kindheit verbunden mit der Lust am eigenen Körper und der Sehnsucht nach vergrabenem Wissen in Raum und Zeit. Schmerz in unendlich vielen Variationen - verbunden mit einer unermesslichen Gier nach Wahrhaftigkeit.
Eine meiner Wahrheiten. 
Dich sanft in meinen Armen wiegen, deinen Körper nur mit meinem Atem streicheln, dich groß und stark und mutig nennen, wenn du heulend wie ein Baby in meine Körperfalten dich vergräbst. 
Eine meiner Wahrheiten.

Switschhhh (Surrogat)

Dingelchen: Hallo? Jemand da?

Garwall: ???

Dingelchen: Bist du Dom? Ich bin weiblich, habe lange schöne Haare, Körbchengröße 85c, 170cm, 62 kg, bin devot und maso.

Garwall: Ach?!

Dingelchen: Ich suche eine Herrin. Ich bin tageslichttauglich, brav und folgsam.

Garwall: Ach?!

Dingelchen: Absolut devot. Ich mag es, wenn die Herrin mich heftig züchtigt und ich steh auf hohe Schuhe und Lack und Leder und strenger Erziehung.

Garwall: Ach ja?

Dingelchen: Ich will deine Sklavin sein, dein Eigentum, dir mein Leben zu Füßen legen. Dir dienen und gehorchen.

Garwall: Ach?!

Dingelchen: Ja, wie würde das denn aussehen? Wie soll ich mich denn anziehen beim ersten Treffen? Wie läuft denn so eine Session bei dir ab? Worauf stehst du denn? Also, ich mag es, wenn ich dir erst mal die Füße küssen müsste und dann ziehst du mich an den Haaren hoch, greifst mir an die Titten, zwirbelst meine Brustwarzen. Da steh ich drauf! Das ist so geil. Und dann bindest du mich an das Kreuz und holst den Rohrstock oder die Peitsche. Ich mag diesen Schmerz und dann schlägst du zu und ich kann mich nicht bewegen und es gibt kein Entkommen...

Garwall: Beweg deine Hand schneller am Schwanz! Du darfst jetzt abspritzen! Jetzt!

Dingelchen: Danke Herrin, danke Herrin!


Garwall drückt die Ignortaste.

Erwartungen

Sie: Ich werde unsere Beziehung beenden!

Ich: Ach, warum denn das?

Sie: Du bist nicht hart genug für mich!

Ich: Ähm... kannst du mal ein Beispiel bringen?

Sie: Wenn ich mich nicht an Deine Regeln halte, dann schlägst du mich nicht!

Ich: Ähm... warum sollte ich dich denn dann schlagen?

Sie: Na ja, weil du doch dominant und sadistisch bist!

Ich: Ja eben!

Sie: Was meinst du mit "ja eben"?

Ich: Ich bin dominant und sadistisch - also werde ich, zu meinem Genuß und meiner Freude, eben genau das tun, was diese Seiten in mir befriedigt.

Sie: Aber, das versteh ich nicht. Du tust mir doch nicht weh.

Ich: Und warum gehst du dann?

Sie: Weil du mich nicht richtig hart ran nimmst, wenn ich unwillig bin!

Ich: Und was macht das dann mit dir?

Sie: Es tut mir weh!!!

Ich: Eben *strahl

Sie: Das versteh ich jetzt nicht!

Ich: Das macht nix. Komm Liebes, ich helf dir beim Koffer packen. 

Romantik

Bei Romantik denke ich immer unwillkürlich an Blut ... Romantik?

Kerzen ... Rotwein ... Rosen... blutrote Rosen ... Blut ... Blut ist ein ganz und gar besonderer Saft ... Leben und Tod in sich tragend ... Alle Informationen des Lebens umschließend, alles Sterbende in sich schon fassend...

Hellrot, schreiendes Orange wie der stechende Schmerz der Rosendornen auf der Innenseite der weit geöffneten Schenkel...

Klares Rot, beginnendes Feuer wie der Wachs der Kerzen auf den Spitzen der Brüste...

Tobendes Dunkelrot wie der tiefe, Fleisch aufreißende Biss der Peitsche auf dem Rücken...

Feuerbälle, von schwarzem Rot wenn der bittersüße Saft der Trauben sich über das geöffnete Fleisch ergießt...  

Blutspuren... Zeichnungen auf dem Körper... magische Formeln schreibend aus Schmerz und Lust...

Oh ja... Romantik... dieser Begriff, der umschreibt, dass die Grenzen des Körpers nicht fest und berechenbar sind, der die Sehnsucht nach dem kosmischen Mehr, nach den Wurzeln, nach dem Schrei des Lebens, nach Auflösung und Transformation in die Welt zurück bringen wollte.

Dieser Begriff, der sich wehrte gegen die Kälte und die Reduktion des Menschen auf das Technische des neuen Zeitalters.

Er wurde mit der Zeit vereinnahmt, angepasst und aufgelöst in zuckersüße Bilder von Hollywood-Erlösungen: Skihütte, Kaminfeuer, oberflächliche Umarmungen, die ihre Aufmerksamkeit darauf richten, dass die Frisur nicht beeinträchtigt und der Armani-Anzug nicht verrutscht.
Eine Schachtel MonCherrie als Ausdruck der Ekstase kurz vor der Sportschau am Valentinstag.

Romantik … tief versteckt im Wissen, das durch alle Zeitalter gerettet wurde, verschüttet, vergraben...

Romantik ... die Finger tief in das sich aus dem Körper pressende Blut zwischen den Beinen sich vergrabend... den Körper damit zeichnen... Seine Konturen umreißen... Linien... Wellen... Zeichen der Macht und des sich Ergebens... magische Muster, die die Begrenztheiten des Körpers transformieren und ihn öffnen und zum Gefäß werden lassen für die ihm fehlende Energien...

Romantik? Ja, keine Frage... ich bin auch romantisch... und Blut ist ein besonderer Saft.

Meine Art von Sein

Ich will mich sicher fühlen. Bevor ich Dir meine Welten zeigen kann, muss ich Gründe haben Dir zu vertrauen. 

Ich muss wissen, dass Du mich, so wie ich bin, wahrnehmen kannst und akzeptierst. Ich werde viel für Dich sein während unsere Beziehung wächst. Doch ich bin nicht nur Freundin, Geliebte und Liebende und ich bin dies Alles und mehr auch nicht nur ausschließlich für Dich. Ich muss wissen, dass Du mich als Person mit all meinen Widersprüchen annehmen und aushalten kannst. 

Ich will Deine Beständigkeit. Ich muss wissen, dass Du das was Du sagst auch so meinst und dass sich die heutigen Worte auch auf morgiges Verhalten anwenden lassen. Nichts verwirrt mich mehr als unterschiedliche Signale, die Dir erlauben Worte, ohne mich am Veränderungsprozess teilhaben zu lassen, zu brechen. 

Ich will meine Grenzen erweitern. Ich muss wachsen und ich brauche Herausforderungen. Manchmal möchte ich ermutigt werden um über meine Grenzen zu gehen. Ich brauche Deine Achtsamkeit, Deine Reaktionen, Deine Ansagen, Deine Rückmeldungen um meine, Deine, unsere Grenzen zu erweitern. 

Ich will lernen. Mein Geist ist hungrig nach neuen Dingen und das Lernen hilft mir zu dem zu werden, zu dem ich fähig bin. Zeig mir Deine Welten, lass mich durch Dich neue Sichtweisen und Positionen einnehmen. Sei Futter für meinen Geist und meine Seele. 

Ich will Deine Zustimmung und Bestätigung. Ich muss wissen, wenn Du mit mir oder mit dem was ich getan habe, einverstanden bist. Ich muss wissen, dass Du zu mir gehörst, auch wenn ich irre oder taumle. Ich will Deine Achtsamkeit, auch wenn ich einmal versagt habe. Erlaube mir meine Gefühle gemeinsam mit Dir zu sortieren, bevor Du mir die Tränen vom Gesicht wischst. 

Ich will auch die Gebende sein dürfen. Ich habe, obwohl ich mit Genuss nehme, auch ein tiefes Bedürfnis zu geben und brauche ein Ventil für dieses Bedürfnis. Es entspricht meiner Natur und ist Quelle meiner Sinnlichkeit und meines Seins. Ich will spüren, dass Du meine Demut niemals nur als Schwäche und meine Dominanz niemals nur als Stärke auslegen wirst. 

Ich will Dein Vertrauen. Vertraue mir so, dass Du Deine Ängste und Unsicherheiten mit mir teilen kannst. Diese Stärke und Fähigkeit wird Dich für mich einzigartig und unverwechselbar einmalig sein lassen. 

Ich will Deine Aufrichtigkeit. In einer Welt des Scheins, der Lügen und der Selbstverleugnung will ich die Gewissheit, dass Deine Worte, Deine Gedanken, Deine Gefühle wahrhaftig sind. Immer und in jeder Situation. Dies, und nur dies, gibt mir die Ruhe und die Sicherheit für mein Bleiben und mein Gehen, für mein Halten und für mein Loslassen. 

Ich will Dein Lachen, damit mein Lachen sich entfalten und uns umfangen kann.

Hohe Schuhe

Hohe, richtig hohe Absätze sind schon sehr erregend. Dieses Gefühl, wenn Weib sich hinsetzt, sachte nach vorne beugt, dem Knacksen in der Hüfte und den unteren Wirbeln lauscht, sich die Hand sanft um die Rundungen des hinteren Schuhteiles legt, der Daumen leicht über die Fesseln streicht und sich dann fordernd in den Zwischenraum zwischen Schuhrand und Knöchel drängt, sich langsam, aber unnachgiebig nach vorne schiebt und den Schuh vorsichtig, ganz vorsichtig vom geschwollenen Fleisch löst.  Oh, dieses Gefühl, wenn die Zehen sich strecken, sich der Spann nach oben zieht, dieser süße Schmerz, wenn die verkrampften Muskeln sich entspannen und der Fuß mit der ganzen Fläche den Boden berührt. Ein irres heißes Gefühl. Ja! 

Hast du mir zugehört?


„Du nennst dich Sadist?! Na komm, dann schlag zu! Was glaubst du, was das hier ist? Ein Spiel mit Macht und Ohnmacht? Aha, welcher denn? Deiner?
Du forderst mich jetzt schon seit Stunden mit deinem Rumgezappel und Stöckchen klatschen heraus. Ich kann nur albern kichern über dein Gehabe.
So was nennt sich also eine Session. Ein bissl Bondage, ein bissl Haue, ein bissl Wachs und ganz viel herrisches Gelabber drum herum. Ach, du willst mir nicht ernsthaft schaden? Du kontrollierst dich noch?! Erzähl mir nicht so einen Schwachsinn. Du bist ja schon ganz erschöpft von dem Kinderkram. Schweiß auf der Stirn, zitternde Hände. Alter Fettsack, hat dich das ganze Geplänkel derart geschafft?
Über was haben wir eigentlich die letzten Wochen geredet? Übers Kuchen backen? Du hast gar nichts kapiert! Mach mich los und lass mich gehen. Ist doch nur vertrödelte Zeit. Deine und meine. Such dir ein devotes Mäuschen und lass dich von ihr aufblasen. Aber lass mich ab jetzt in Ruhe. So eine Scheiße hab ich ja noch nie erlebt.
Und was ist das da zwischen deinen Beinen? Ach so, stimmt, da war ja noch was. Ficken, meinst du, reißt das jetzt noch rum? Mit dem Dingelchen da? Mensch, Mann, so einen Affenzirkus hab ich ja noch nie erlebt. Was für Sprüche du gekloppt hast: Jahrzehntelange Erfahrung, grenzenloser Realsadist, kein Erbarmen. Und jetzt pisst du dir ins Hemd? Los, schlag endlich zu oder wir beenden das hier und jetzt. Jesses, schau mich doch net so traurig an, du bist doch kein Dackel.
Wo gehst du jetzt hin? Bleib hier und zeig mir endlich deine dunkle Seite, von der du so viel gelabbert hast.
Hey, du kannst dich jetzt nicht einfach so verpissen! Wage es ja nicht die Tür hinter dir zu zu knallen.
Komm zurück, du Arschloch! Mach die Handschellen ab und ich vergess das ganze Theater hier. Wir können ja noch was zusammen trinken gehen.
Hallo! Hörst du mir noch zu? Komm zurück! Sofort! Komm zurück!“

Sie spielt ein gefährliches Spiel, denn sie hat ihm nicht richtig zugehört. 

Hardcore-Session

Es würde hart werden diesmal. Sie hatte es ihr schon vor Tagen beiläufig angekündigt. Freundlich lächelnd warf Sie Sätze wie „Manchmal muss man sich ins Niemandsland begeben, damit die eigentlichen Grenzen sichtbarer werden.“ oder „Nach dem Wochenende werden wir beide gemeinsam ganz neue Türen zum Öffnen vorfinden“ in den Raum.

Boah, und dann ließ Sie sie einfach so stehen. Mehr war nicht aus ihr rauszuholen, da half kein Bitten und Betteln. Na ja, Sessionvorbereitung halt. Sie wusste, dass Sie diese Phase sehr genoss, dieses Ankicken; und dieses Wissen wiederum ließ sie sich ganz zittrig wohlig fühlen.

Die Tage rasten und schneckten dahin und nun lag sie mit verbundenen Augen angebunden auf der großen Liege, die sie am Abend vorher gemeinsam mitten in den Raum geschoben hatten.

Es war still um sie herum, die Ohrstöpsel dämpften jedes Geräusch. Wo blieb Sie bloß, welche Schmerzen und Qualen hatte Sie sich wohl in Ihrem süßen Köpfchen ausgedacht? An noch nicht umgesetzten Phantasien mangelte es ihnen ja nun nicht gerade. Da kreiste so manches schrecklich Schöne in ihrer beiden Sehnsuchtskiste. Die langen Nadeln vielleicht, oder die neue Peitsche mit den eingeflochtenen Scherben, oder gar das Branding?

Warum fing Sie nicht endlich an. Die Eingangsphase war so lang diesmal. Das Ritual des Aufwärmens, Annäherns ging sonst immer viel rascher vor sich. Die kleinen Gemeinheiten, der Rohrstock, das Öffnen von Kopf und Körper... worauf wartet Sie bloß?

Plötzlich spürte sie eine Hand an ihrer Wange. Langsam bewegte diese sich kreisend streichelnd immer tiefer, verharrte wie ein Hauch in der Halskuhle. Eine zweite Hand begann in rundigen Zügen ihre Fußsohle zu massieren.

„Ähm, hallo, was macht Sie da?! Was soll denn der Scheiß?“ Unruhig warf sie sich hin und her.

Dann eine dritte, vierte, fünfte Hand. Fingerspitzen, die zärtlich ihren Körper berührten. Lippen, die schmeichelnd an ihren Ohrläppchen knapperten, Zungenküsse auf ihren Augenlidern. Flüsternde, beruhigende Stimmen, deren Worte sie als Worte nicht richtig wahrnehmen konnte, nur den weichen Klang und den sanften Rhythmus. Jede Berührung intensivierte sich, überall, überall. Zärtlichkeit, Zärtlichkeit... Nähe, Nähe, Nähe...

Nein, nein, nein... das kann sie nicht aushalten! Das geht nicht! Das kann Sie ihr nicht antun!

Sie warf sich in die Fesseln, bäumte sich auf. Schrie, rotzte, tobte, kämpfte...

Die Berührungen, die leisen Stimmen blieben im sanften Gleichklang, ließen sich nicht irritieren.

Es würde hart werden diesmal. Sehr hart.

Fleischeslust

Sie hatte Hunger. Hunger auf Fleisch. Richtiges Fleisch. Dieses Fleisch mit dem ganz besonderen Geschmack, das sie zum ersten Mal im Hause ihres Mannes gekostet hatte. Fleisch, in das sie ihre Zähne schlagen könnte, das Zerren, Mahlen, Zerkleinern spürend. Seit wie lange lebte sie jetzt schon von diesem pappigen, breiartigen Zeugs, das sie jeden Tag einmal durch den Türschlitz geschoben bekam? Kein Geruch, keine Substanz, kein Geschmack. Sie stellte sich vor, dass Astronautennahrung so schmecken müsse. Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Sie nahm an, dass sie sich immer noch im Kloster befand. Allerdings fehlten ihr einige Erinnerungen. Nur dunkle Löcher in ihrem Gedächtnis. Diese machten ihr mehr Angst, als die geschlossene Tür ihr gegenüber oder Charles, der ab und an den Raum hier mit ihr teilte.

Charles, ihr Liebhaber, mit dem sie sich wie schon so oft heimlich im Klosterhof in der Nähe ihres Hauses getroffen hatte. Charles, der so ganz anders war als all die Männer, die bisher in ihrem Leben eine Rolle spielten. Groß, breitschultrig, durchtrainiert und beunruhigend erregend in seinen Wünschen.

Braungebrannt stand er damals vor ihrer Haustür, einen großen, vollen Plastiksack locker in der einen, den Zettel ihres Mannes mit der Bestellung des exklusiven Frischfleisches in der anderen Hand.

Sie beobachtete ihn durch das Kellerfenster beim Füllen der Gefriertruhe und irgendwann saß er ihr in der Küche gegenüber am Tisch und plauderte unbeschwert und mit dieser ihm zugehörigen rauen Stimme über Nichtiges. Als sie ihm eine zweite Tasse Kaffee einschenkte, glitt seine Hand beiläufig über die ihre. Keine halbe Stunde später lag sie schwitzend und keuchend nach Atem ringend in seinen Armen und in ihrem fast noch jungfräulichen Ehebett.

Seit diesem Tag trafen sie sich öfters im Hof des alten unbewohnten Klosters auf der anderen Seite des Dorfweihers. Wenn er für sie Gartenarbeiten oder sonstige Kleinigkeiten zu erledigen hatte, fand sie unregelmäßig unter der Teppichkante im Flur einen Schnuller. Das verabredete Zeichen, sich zu einer bestimmten Uhrzeit mit ihm zu treffen. Den genauen, von Charles gewünschten Zeitpunkt entnahm sie der Farbe. Rosa hieß in der Zeit vor dem Abendessen; blau bedeutete nach Mitternacht. Ein unverfängliches Nachrichtensystem, da die kleine Stieftochter ihre Schnuller immer im ganzen Haus verteilte.

Irgendwann in den letzten Tagen war der Schnuller blau gewesen und sie wartete mitten in der Nacht dort draußen auf ihn. Daran erinnerte sie sich. Sie stand rauchend neben ihrem Auto und bückte sich um die Ferse ihrer Strümpfe gerade zu ziehen. Seine Hand dann auf ihrem Rücken. Ab diesem Moment verwischte es sich. Sie fand sich nackt und leicht frierend in dieser abgeschlossenen Kammer auf einer Steinliege wieder. Es gab hier nur ein kleines, ritzartiges Fensterchen oben an der hinteren Wand. Der Raum roch muffig, obwohl Boden und Wände trocken waren. Sie konnte sich frei bewegen, die Tür jedoch blieb fast immer geschlossen. Nur ab und zu öffnete sich der Schlitz ganz unten an dieser und es wurde eine Holzschüssel mit dem breiartigen Zeugs hindurch geschoben. Die angesammelten Schüsseln nahm Charles dann wieder mit nach draußen.

Charles, der ab und an diesen Raum betrat. Nackt wie sie, kam er herein. Ohne auf ihre Fragen, ihr Weinen, Schreien und Toben zu reagieren, schlang er jedes Mal seine Arme um sie und hielt sie für eine lange Weile einfach nur umschlossen. Wenn sie erschöpft und atemlos war, hob er sie auf die Liege und streichelte zärtlich sanft ihren Körper. Niemals sprach er dabei mit ihr. Nur manchmal, wenn sie sich gar zu sehr in seinen Armen wehrte, dann summte er leise eine beruhigende Melodie ganz nah an ihrem Ohr.

Nach ihrem Gefühl war der letzte dieser seltsam verwirrenden Besuche schon zu lange her. Und obwohl sie den Sinn seiner meist stillen, aber immer gleichen Anwesenheit nicht verstand, sehnte sie sich mittlerweile doch nach ihr. Jedes Mal, wenn der Türschlitz sich zur Essensgabe öffnete, bat und bettelte sie nun um seinen Besuch. Und ihre Sehnsucht erfüllte sich.

Charles betrat den Raum. Nackt stand er vor ihr, eine Handkreissäge locker in der einen, den Zettel ihres Mannes mit der Bestellung des exklusiven Frischfleisches in der anderen Hand.

Durch den weißen Schnuller im Mund kaum verständlich nuschelte er: „Es ist Zeit, Liebes, die Tiefkühltruhe bei euch zu Hause ist wieder leer.“